Werl: Leid und Ausbeutung der Hochzeitstauben muss ein Ende haben

Kassel, 29. Januar 2024. Redemanuskript von Michael Werl zur Debatte um den gemeinsamen Antrag „Hochzeitstauben schützen“ der Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, CDU u. FDP (Rathauskoalition):


„Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger auf der Empore,

weiße Tauben sind Symbole des Friedens und der Treue. Doch hinter der scheinbaren Romantik des Brauchs, diese Vögel bei Hochzeiten fliegen zu lassen, verbirgt sich eine tragische Realität.

Die sogenannten Hochzeitstauben, die wir in solchen Zeremonien sehen, werden von ihrem Heimatschlag entfernt, in kleinen Boxen transportiert, nicht selten von Fremden gefühlskalt behandelt und schließlich in einer unbekannten Umgebung freigelassen.

Was als romantische Geste gedacht ist, wird für diese Tiere zu einem Alptraum aus Stress, Verwirrung und Gefahr. Die Realität ist, dass domestizierte Tauben, die auf sich alleine gestellt sind, kaum Überlebenschancen haben. Sie sind Greifvögeln und Orientierungsverlust ausgesetzt und viele sterben an Erschöpfung.

Darüber hinaus wird oft die sogenannte Witwermethode angewandt. Ein Paar der monogam lebenden Tauben wird getrennt, um den Heimkehrwillen der Tiere auszunutzen. Das ist nicht nur grausam, sondern ironischerweise auch ein schlechtes Omen für eine Veranstaltung, die eigentlich Liebe und Verbundenheit feiern soll.

Die Praxis der Taubenvermietung für Hochzeiten ist ein lukratives Geschäftsmodell. Doch hinter den Kulissen wird das Leid der Tiere für Profit missbraucht. Diese Vögel, die eine bemerkenswerte Intelligenz und Fürsorglichkeit zeigen, werden wie Ware behandelt.

Tauben sind bemerkenswert treue Tiere. Sie bilden lebenslange Bindungen, füttern sich gegenseitig, kümmern sich gemeinsam um ihren Nachwuchs und zeigen eine tiefe Zuneigung zueinander. Sie kehren jeden Abend zu ihrem Partner zurück, insbesondere, wenn dieser brütet. Eine Trennung von ihrem Partner bedeuten für diese Vögel enormen Stress.

Genau diese tiefe Bindung wird von Anbietern für Hochzeitstauben ausgenutzt. Die Tauben, die bei solchen Anlässen freigelassen werden, wurden oft aus ihren festen Bindungen herausgerissen. Ihre Partner bleiben zurück, oft als Köder, um sicherzustellen, dass der freigelassene Vogel zurückkehrt. Doch leider gelingt diese Rückkehr nicht immer. Es wirft die Frage auf, ob es moralisch vertretbar ist, diese tiefen tierischen Bindungen zu brechen, um einen menschlichen Brauch zu erfüllen.

Des Weiteren sind sich viele Paare, die Hochzeitstauben freilassen, nicht der Konsequenzen für diese Tiere bewusst. Sie genießen den Moment des Freiflugs, aber für die Tauben beginnt ein Kampf ums Überleben. Diese domestizierten Vögel sind nicht darauf vorbereitet, sich selbst zu versorgen. Sie versuchen oft, sich einem Schwarm wilder Tauben anzuschließen, aber dies ist schwierig und nicht immer erfolgreich.

Nahrungsmangel und die Bedrohung durch Raubtiere machen das Überleben in der Stadt zu einer Herausforderung. Zudem sind Hochzeitstauben aufgrund ihrer auffälligen Gefiederfarbe und mangelnden Erfahrung leichte Beute für Raubtiere.

Wenn sie Glück im Unglück haben, gefunden zu werden, beginnt der Alptraum für sie von neuem: Sie werden an den Züchter zurückgegeben und abermalig für Veranstaltungen eingesetzt.

Es ist an der Zeit, dass wir unser Verhalten und unsere Traditionen hinterfragen. Es geht nicht darum, die Freude und Schönheit von Hochzeiten zu mindern, sondern darum, Mitgefühl und Verantwortung zu zeigen.

Vor diesem Hintergrund wird die AfD-Fraktion den vorliegenden Antrag selbstverständlich unterstützen. Dennoch bedauern wir es, dass der ursprüngliche Antrag, der ein Verbot des Fliegenlassens von Hochzeitstauben vorsah, nicht aufrechterhalten und abgeschwächt wurde.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und Ihre Aufmerksamkeit. Herzlichen Dank!“

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