Redebeitrag zur AfD-Resolution “Rettet den Reinhardswald” von Michael Werl

Kassel, 16. Mai 2022. Redebeitrag von Michael Werl zur AfD-Resolution “Rettet den Reinhardswald”:

“Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste im hinteren Saalbereich,

20 Millionen Quadratmeter Waldgebiet und die dort heimische Tier- und Pflanzenwelt sollen im Reinhardswald nicht nur im Zeichen einer fehlgeleiteten Energiewende, sondern auch aus reiner Profitgier zerstört werden.

Allein das Land Hessen soll nach einem Bericht des ZDF mit jeder aufgestellten Windkraftanlage in etwa 1,4 Millionen Euro an Pachtgebühren im Jahr erhalten. Bei bis zu 140 möglichen Windkraftanlagen, die auf den 7 Vorranggebieten gebaut werden könnten, macht das 196 Millionen Euro pro Jahr. Ein lukratives Geschäft für das Land Hessen, für Banken, Investoren, Lobbyisten und profitgierige regierungsnahe Firmen.

Währenddessen bleiben Tier- und Pflanzenwelt, sowie die Bewohner der Orte am Reinhardswald auf der Strecke. Die Zerstörung von Tier- und Pflanzenwelt wird an jeder einzelnen der 7 Vorranggebiete gewaltig und nachhaltig sein.

Für jede einzelne der bis zu 240 m hohen Anlagen muss ein Fundament mit den Abmessungen eines großen Einfamilienhauses und einem Gewicht von mindestens 3.000 Tonnen in den Waldboden gegossen werden. Des Weiteren müssen zur Anlieferung der extrem schweren Teile, einer solchen Industrie-Anlage, breite Schneisen in den Wald geschlagen und der Untergrund so verfestigt werden, dass die bis zu 200 Tonnen schweren Einzelteile von Spezial-Fahrzeugen an die Baustelle geliefert werden können. Viele Kilometer Stromkabel werden den Wald durchziehen.

Geschützte Vögel, Fledermäuse und Millionen von Insekten werden durch die rotierenden Windkraftanlagen zerfetzt werden.

Mit jeder Industrie-Anlage kommen über 5.500 Liter Gefahrstoffe wie Öle, Schmierstoffe, Kühlflüssigkeiten und andere Zusätze in den Wald. Eine völlig unverantwortliche Gefährdung von Waldboden, Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser.

Kommt es zu einem Brand in der Gondel der Windkraftanlage, wie unter anderem im schleswig-holsteinischen Lindewitt im Jahre 2021, kann die Feuerwehr nur teilnahmslos zusehen. Was herabstürzende und schwer löschbare Teile mitten in einem Waldgebiet anrichten können, womöglich noch bei Wind und Trockenheit, werden sie sich sicherlich vorstellen können.

Zwei von drei uns bekannten und eigens durch das grün geführte hessische Umweltministerium in Auftrag gegebenen hydrogeologischen Gutachten, für die Anfang des Jahres 2022 genehmigten 18 Windkraftanlagen auf dem Höhenzug Langenberg und Hahneberg, raten eher vom Bau der Windkraftanlagen ab.

Sie betonen und warnen, dass der Schutz des Oberflächen-, Grund- und Trinkwassers Vorrang gegenüber dem Bau und dem Betrieb von Windkraftanlagen hat.

Lediglich das dritte Gutachten sieht dagegen die Risiken für Flora und Fauna mit Schutzvorrichtungen, Errichtung von Drainagen und Fanggräben, besonderer Sorgfalt und Maßnahmen der Überwachung als handhabbar und technisch kontrollierbar an.

Allerdings mit Ausnahme der Standorte der Windkraftanlagen 05, 06 und 07 für die erhöhte Gefährdungspotentiale auf das Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser gegeben seien. Dort wären vertiefte hydrogeologische Erkundungen durch unabhängige Experten notwendig.

Vor diesem Hintergrund bitten wir sie zum Schutz von Tier- und Pflanzenwelt, sowie zum Schutz des Oberflächen-, Grund- und Trinkwassers unserer Resolution zuzustimmen.

Setzen wir gemeinsam als Stadtverordnetenversammlung ein Zeichen gegen dieses Verbrechen gegen die Natur und fordern wir die schwarzgrüne Landesregierung auf, unverzüglich die Zerstörung von Tier- und Pflanzenwelt im Reinhardswald zu stoppen.”

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